Erst vor kurzem hat mich selbst die Faszination von Backgammon ergriffen – obgleich es das Spiel schon seit Tausenden von Jahren gibt, zurückzuverfolgen bis ins alte Mesopotamien. Als mich ein Freund ein paar Mal zum Spielen einlud, war ich hingerissen – nicht nur von dem Klappern der Würfel und dem Rennen der Steine über das Brett. Sondern von der Atmosphäre, die sich mit dem Spiel ausbreitet. Sitzt man jemandem gegenüber, halb auf die Strategie fokussiert, halb in ein Gespräch vertieft, merkt man: Es geht genauso sehr um Präsenz wie um das Spiel selbst.
Berühmte Backgammon-Anhänger
Je mehr ich spielte, desto mehr alte Bilder wurden in mir geweckt: Wie Roger Moore als James Bond Kamal Khan gegenübersitzt und ihn über das Backgammon-Set hinweg anstarrt. Eine Szene aus «007 – Octopussy», die bei Spielfans trotz der Regelverdrehungen beliebt wurde. Slim Aarons hielt in seinen Fotografien gebräunte Körper und glänzende Bretter am Pool fest. Hugh Hefner leitete Marathonspiele in der Playboy Mansion. In den 70ern wurde das Spiel so populär wie der Harvey Wallbanger in den Nachtclubs von New York und Los Angeles. Mick Jagger, Ringo Starr, Tina Turner, Diana Ross, Paul Newman, Cher, Bob Dylan und Lucille Ball waren nur einige der berühmten Backgammon-Anhänger.
Backgammon-Clubs auf der ganzen Welt
Was mich überraschte, war, wie lebendig sich das Spiel auch heute noch anfühlt. Clubs wie das Join the Gammon Game in Barcelona ziehen Menschen an, die ihre Zeit sonst wohl vor ihren Smartphones verbringen würden. In New York lädt der New York Backgammon Club ein jüngeres Publikum ein und in Los Angeles erlebt der Venice Backgammon Club, wie das Spiel wieder ins Herz der Stadt zurückkehrt. Bei diesen Abenden beeindruckt mich immer wieder, wie schnell das Brett in den Mittelpunkt rückt. Die Gespräche fließen anders, wenn die Würfel dazwischen fallen.
Luxus-Backgammon-Sets
Luxusmarken spüren offensichtlich denselben Reiz. Tiffany, Cartier, Hermès, Louis Vuitton, Riva und Brunello Cucinelli: Sie alle haben Backgammon-Bretter herausgebracht, die ebenso Kunstobjekte wie Spielesets sind. Unabhängige Macher wie Maremosso und Backgammon Beauty vermögen es, eigene Varianten zu kreieren und die Grenzen zwischen Möbel, Schmuck und Spiel zu verwischen. Eines dieser Bretter daheim zu haben, ist nicht nur praktisch; es ist ein Statement. Mein Blick auf die Bretter hat sich nach wenigen Spielen verändert – sie liegen dort, bereit für die Partie, und sind dennoch auch wunderschöne Objekte ganz für sich.

Ein Teil des Spiel-Charmes liegt in seinem Tempo: Es ist schnell genug, um spannend zu sein, unvorhersehbar genug, um die Spannung zu halten, aber leichtfüßig genug, um Raum für Gespräche zu lassen. Man behält die Würfel genau im Auge – und kann sich gleichzeitig unterhalten, flirten und scherzen. Der Verdopplungswürfel, diese kleine Innovation aus dem New York des 20. Jahrhunderts, bringt genau so viel Dramatik, dass sich jede Partie anfühlt, als könne sie in etwas Größeres übergehen. Es besteht ein Risiko – aber es ist ein elegantes Risiko, mit den Würfelbechern aus Leder und polierten Spielsteinen anstelle von Karten und Chips.
Tatsächlich war Backgammon schon immer mehr als nur ein Spiel. Es ist eine Bühne. Die Referenzen aus Bond-Filmen, Slim Aarons' Fotografien, Instagram-Posts von Dua Lipa und in Luxusgeschäften ausgestellte Bretter verkörpern allesamt eines: Performance. Lässt man sich zum Spielen nieder, tritt man nicht nur an, sondern wird zum Teil einer Szene. Dieser performative Aspekt ist es, der Backgammon meiner Meinung nach zeitlos macht.

Ein Spiel, das sich überall einfügt
Für mich wurde Backgammon nicht nur zum Zeitvertreib, sondern zu einem kulturellen Band. Es verknüpft Geschichte und Stil, Muße und Schauspiel. Es verbindet das Antike mit dem Modernen, in einer Weise, wie es nur wenige Dinge können. Und es funktioniert in so vielen Szenarien: auf einem Dach bei Sonnenuntergang, in der stillen Ecke einer Bar, in einem Wohnzimmer an einem verregneten Abend. Es sind immer die gleichen Würfel, die gleichen Steine und die gleiche Vorfreude.
Ich weiß nicht, ob die Wiederauferstehung des Spiels von Dauer sein wird oder ob es in Vergessenheit gerät, bis es von Neuem hervortritt, wie es schon einmal der Fall war. Aber genau das ist vielleicht der Punkt. Backgammon passt sich an. Es überlebt. Es erscheint in neuem Gewand, in neuem Umfeld, für neue Generationen. Für mich begann es mit der Einladung eines Freundes und ein paar lockeren Spielen. Für andere ist es vielleicht ein Bond-Film, ein Foto oder der Anblick eines schönen Brettes auf einem Kaffeetisch. Egal, wie man dorthin gelangt, das Ergebnis ist dasselbe: Man wird in ein Ritual hineingezogen, das seit Jahrtausenden andauert. Und sobald die Würfel rollen, wird man verstehen, warum sie nie wirklich damit aufhören.
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Last Updated on October 9, 2025 by Editorial Team
Chefredakteur Raffaele schenkt dem Magazin ein weltgewandtes Flair, das er aus London, Berlin, New York und Barcelona einbringt. Seine 20-jährige Erfahrung mit Luxusmarken sowie seine Liebe zu Reisen und Essen bereichern den Magazininhalt.



