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Naditum-Gründerin Malin Bernreuther über Qualität, Nachhaltigkeit und mutige Weiblichkeit
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Naditum-Gründerin Malin Bernreuther über Qualität, Nachhaltigkeit und mutige Weiblichkeit

Mit ihrer Marke für klassisch und nachhaltig designte Handtaschen entwirft Malin Bernreuther eine neue Welt der Mode. Nach ihrem Modedesign Studium in Berlin und Antwerpen arbeitete Malin Bernreuther über ein Jahrzehnt lang als Designerin in Luxusmodehäusern in Deutschland und Frankreich, bis sie 2018 mit ihrer eigenen Linie vom Designer zum Hersteller wurde: Naditum. Gegründet auf den Prinzipien von Qualität, Handwerkskunst und weiblicher Selbstbestimmung, steht jedes von Malins strahlenden Stücken für einen neuen Standard in der Branche, wobei Transparenz in der Produktion, erstklassige Materialien und ein ausgesprochen elegantes Design im Vordergrund stehen.

Eine Naditum-Tasche über der Schulter zu tragen, bedeutet, eine informierte und bewusste Käuferin zu sein: eine Frau, die Selbstvertrauen, Weiblichkeit und Stärke ausstrahlt, die sich von ihrer Mode ermutigen lässt, anstatt sich von Produkten und Trends abhängig zu machen. Im Rahmen der ständig wachsenden Marke und ihrer kontinuierlichen Arbeit als Designerin ist Malin eine Schöpferin von zeitlosen und praktischen Stücken und eine Verfechterin von verantwortungsvollem Design, die eine Modewelt schafft, in der wir durch unsere Auswahl gestärkt und durch ihre Schöpfer inspiriert werden.

Die nachhaltige Ishtar Lady Bag von Naditum

Wann bist du zum ersten Mal auf den babylonischen Begriff „Naditum“ gestoßen, der zum Namen deiner Marke werden sollte?

Das kann ich gar nicht so genau sagen. Die Suche nach einem passenden Namen war gar nicht so einfach und hat mehrere Monate gedauert. Es war von Anfang an klar, dass es um Frauen und um das, was uns stärkt, gehen musste. Nach langer Suche bin ich dann auf die Geschichte von Naditum gestoßen und fand sie sehr passend. Für diejenigen, die diese Geschichte nicht kennen: Naditum waren Frauen, die um 2000 v. Chr. in einer Gemeinschaft lebten, sich gegenseitig unterstützten und wirtschaftlich unabhängig waren. Sie bildeten Netzwerke, unterstützten sich gegenseitig und bekleideten zum Teil sehr hohe Positionen, die damals eigentlich Männern vorbehalten waren. Die ersten Geschäftsfrauen sozusagen.

Entschieden hat das eigentlich eine Freundin von mir, von der ich gestalterisch und auch sonst viel halte. Sie hat die Namensauswahl, die ich hatte, ganz pragmatisch aufgeschrieben und war von Anfang an verliebt in das Schriftbild, das das Wort Naditum ergibt. Et voila, dann war es beschlossen!

 

Wie lange dauerte es von der ersten Idee, eine eigene Marke zu gründen, bis zur tatsächlichen Umsetzung?

Das hat etwa 2,5 Jahre gedauert. Was so lange gedauert hat, war, die richtigen Partner zu finden, um das Produkt auf den Weg zu bringen. Was die handwerkliche Verarbeitung und die Qualität angeht, stehen die Naditum-Taschen den üblichen Luxustaschen in nichts nach, ganz im Gegenteil! Ich achte sehr auf die Qualität der Verarbeitung und der Materialien, die ich verwende.

Die Suche nach Lieferanten, die auch in kleinen Mengen nachhaltige Materialien anbieten, war sehr zeitaufwendig und hat viel Zeit in Anspruch genommen. Es war auch nicht einfach, einen Hersteller zu finden, der in kleinen Stückzahlen produziert und auch das handwerkliche Know-how hat. Letztendlich habe ich 1,5 Jahre damit verbracht, verschiedenste Hersteller zu testen. In Deutschland, in der Türkei, in der Tschechischen Republik und schließlich in Portugal, wo ich fündig wurde.

Naditum founder Malin Bernreuther
Malin Bernreuther

Gab es einen Moment, in dem du wusstest, dass du bereit warst, oder war es ein Glaubenssprung?

Es gab eigentlich keinen solchen Moment. Es war eher so, dass ein Stein auf den anderen gelegt wurde, und irgendwann kamen die Produkte. Für mich gibt es keinen richtigen Zeitpunkt, an dem man für so etwas bereit ist.

 

Erzählst du uns etwas über die Frau und ihre Familie, die deine Fabrik in Portugal betreiben, und wie du sie kennengelernt hast? 

Nachdem ich die Taschen bereits in Dutzenden von Unternehmen getestet hatte und nichts funktionierte, war ich ehrlich gesagt kurz davor, alles in die Tonne zu kloppen. Ich habe mir ein paar Wochen Ruhe gegönnt und gar nichts gemacht. Schließlich krempelte ich noch einmal die Ärmel hoch und legte die alte Kollektion, wie sie ursprünglich geplant war, beiseite und plante völlig neue Modelle. Dann schrieb ich ein paar Fabriken in Portugal an, buchte einen Flug und ein Auto und fuhr schließlich direkt dorthin. Sie wurden in zwei Fabriken getestet, und dann habe ich mich für meine jetzige Fabrik entschieden.

Die Fabrik befindet sich in den Außenbezirken von Porto in Portugal und ist ein alteingesessener Familienbetrieb. Dort werden die Lederhäute noch von Hand zugeschnitten und liebevoll zu einer Tasche verarbeitet. Der Familienbetrieb wird von einer Frau geführt. Sie arbeitet jeden Tag selbst an den Nähtischen und gibt ihr Wissen derzeit Schritt für Schritt an ihre Söhne weiter, die nach ihrem Studium in den Familienbetrieb eingestiegen sind. Die Ansprechpartnerin, die das alles möglich macht und organisiert, ist ebenfalls eine Frau. Ich bin den beiden sehr dankbar.

Lederfabrik von Naditum in Portugal

Du hast gesagt: „Gemeinsam sind Frauen einfach stärker“. Wer sind die Frauen, die dir als Schöpferin und Geschäftsinhaberin Kraft und Auftrieb gegeben haben?

Oh, ich könnte so viele nennen. Die Liste ist lang. Mein persönlicher Herzschlag ist meine Großmutter. Sie hat mich zwar nicht direkt auf meinem Weg als Designerin und Macherin beeinflusst, aber sie hat mir in meinem Leben sehr viel Kraft gegeben. Ich bin ihr sehr ähnlich, und durch die Erinnerung an sie schöpfe ich Kraft. Der Schreibtisch, an dem ich gerade arbeite, war ihr altes Bügelbrett. So bin ich jeden Tag mit ihr verbunden. Die Lampe daneben war ebenfalls von ihr und hat mir viele dunkle Nächte erhellt.

Und dann ist da noch meine Mutter, die viel weniger ängstlich ist als ich, um nicht zu sagen, manchmal sogar eine Draufgängerin, und die immer sagt: Mach es einfach.

Letztlich haben mich aber viele Frauen auf meinem Weg zum Naditum ein Stück begleitet und unterstützt. Ich pflege ein großes Netzwerk von Frauen, die sich gegenseitig unterstützen.  Die Idee von Naditum bin ich und wie ich mein Leben ausrichte. Das ist für mich sehr wichtig.

 

Von allen Modeaccessoires ist es vor allem die Tasche einer Frau, die sie stärken kann?

Accessoires sind so toll, weil sie von jeder Frau getragen werden können. Frauen sind manchmal so furchtbar selbstkritisch und erlauben sich nicht, bestimmte Dinge zu tragen. Wer kennt diese Gedanken nicht? Ich bin zu dick, zu klein, zu alt etc. dafür.

Bei Accessoires ist das ganz anders. Man sieht sie und liebt sie. Man ist nie zu dick oder zu alt für einen Schal oder eine Tasche. Deshalb finde ich Accessoires auch so spannend. Mode sollte einen stärker machen, nicht schwächer.

Frauen haben eine besondere Beziehung zu Taschen. In ihnen wird alles Wichtige für den Alltag transportiert und sie lassen die Herzen höherschlagen als kaum ein anderes Kleidungsstück. Völlig irrationale Summen werden für Taschen ausgegeben, das muss eine ganz besondere Beziehung sein. Taschen können eine gewöhnliche Grundausstattung aufwerten und das Gefühl vermitteln, sehr stark und schön zu sein.

Die nachhaltige Antu Lady Bag von Naditum

Was willst du mit dem Design deiner Taschen vermitteln?

Ich interpretiere Klassiker und gebe ihnen neue Details. Mit Naditum kreiere ich Stücke, die ein Leben lang halten sollen. Das beginnt schon bei der Auswahl der Materialien, bevor ich mit dem Design beginne. Zurzeit verwende ich nur pflanzlich gegerbtes Leder aus der Toskana. Es ist sehr robust und altert mit der Zeit sehr schön. Die Taschen können im Laufe der Jahre ein paar Kratzer bekommen oder die Farben können durch Sonneneinstrahlung etwas wärmer werden. Jedes Modell wird im Laufe der Jahre eine persönliche Geschichte erzählen. Das ist eine Idee, die mir sehr gut gefällt.

Für mich ist die Wahl der Materialien genauso wichtig wie das reine Design.

 

Wie wird sich deiner Meinung nach unser Verhältnis zu den Produkten, die wir kaufen, durch transparente Produktionsprozesse verändern?

Leider passiert da noch viel zu wenig. Der Zusammenbruch von Covid-19 hat Nachhaltigkeit und Transparenz bei vielen Marken auf die Tagesordnung gesetzt und auch die Kunden für diese Themen sensibilisiert. Was ich aber im Moment beobachte, ist ein oberflächliches „grün sein wollen“ bei vielen Marken. Naditum hat schon vor der Pandemie auf eine nachhaltige Produktion gesetzt. Für mich bedeutet Nachhaltigkeit nicht nur die Verwendung von nachhaltig produzierten Materialien, sondern auch die Wahl von Materialien und Produktionstechniken, die langlebig sind. Für mich bedeutet Nachhaltigkeit auch, dass ich faire Löhne zahle, Materialien aus der Region beziehe und Produkte herstelle, die langlebig sind.

Produkte zu kaufen, die eine Geschichte haben, auf die man stolz sein kann, macht viel mehr Freude als ein schneller Kauf von Dingen, die nur auf den ersten Blick gefallen. Ich selbst liebe es, mich mit Dingen zu umgeben, die eine Geschichte erzählen und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Und genau diese Produkte stelle ich mit Naditum her.

Pflanzlich gegerbtes Leder aus der Toskana

Du bist in Deutschland geboren, hast puertorikanische Wurzeln, in Antwerpen und Berlin studiert und in ganz Europa gearbeitet. Welche ist deine Lieblingsstadt?

Oh, das ist schwer zu sagen. Mein Herz schlägt immer noch sehr stark für unsere schöne deutsche Hauptstadt, in der ich die meiste Zeit meines Erwachsenenlebens in Kreuzberg verbracht habe. Ich bin immer noch sehr emotional mit Berlin verbunden und denke manchmal daran, zurückzukehren.

Was das Reisen angeht, so liebe ich Istanbul. Ich war schon dutzende Male dort, oft aus beruflichen Gründen, als ich als Designerin tätig war, aber auch, weil eine sehr gute Freundin von mir dort lebt. Ich mag den Flair von Istanbul sehr. Ich liebe es, mit der Fähre über den Bosporus zu fahren und an jeder Ecke einen Tee zu trinken und Baklava zu essen. Ich fühle mich dort immer sehr lebendig. Das ist etwas, was Berlin und Istanbul gemeinsam haben. All das Leben auf den Straßen.

München, Deutschland

Und was sind die Top 5 Orte in einer Stadt deiner Wahl, die du deinem besten Freund/deiner besten Freundin empfehlen würdest, wenn er oder sie in der Stadt ist?

Da ich schon seit einiger Zeit in München lebe, werde ich jetzt hier etwas empfehlen.

Ich wohne in Sendling und kann auf jeden Fall das Restaurant in der Großmarkthalle um die Ecke empfehlen, wenn man mal ein typisches Weißwürstchen ohne den ganzen Touristenrummel essen will. Am Samstag muss man zwar früh da sein, da sie mittags wieder schließen, aber es lohnt sich.

Ich finde große Freude an den kleinen, unspektakulären Dingen des Lebens. Während der Pandemie habe ich viel Zeit auf der Parkbank vor meinem Haus verbracht und fand es wunderbar. Man kann dort die Nachbarschaft kennenlernen oder einfach nur dasitzen und ein Glas Wein trinken, das hat mir sehr gut gefallen.

Ich bin auch ein großer Fan der Isar im Sommer und kühle mich dort gerne ab, wenn es heiß ist und gehe dann mit Freunden auf ein Bier in den Flaucherbiergarten. Im Vergleich zu den anderen Münchner Biergärten ist er sehr klein und überschaubar, was ich mag.

 

Woher oder von wem beziehst du deine größte Inspiration? 

Ganz klar von den Frauen, die mich umgeben. Meine Produkte sind für Frauen gemacht. Sie verstecken sie nicht, sondern sollen sie stärken.

 

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