Der wahrscheinlich beste Mexikaner in Hamburg

Wenn Hamburger Contenance auf mexikanische Heißblütigkeit trifft, kann etwas ganz Besonderes entstehen. Passiert das im Namen von Sehnsucht und Familie, vor allem aber im Namen der Liebe zum Essen und zum Leben, dann muss es einfach ein Erfolg werden.

Miguel Zaldívar ist Mexikaner. Er ist Koch aus Leidenschaft und lebt in Hamburg. Aufgewachsen mit seiner Mutter und seinem Großvater in Mexiko lernte er früh, was es heißt, Menschen mit gutem Essen glücklich zu machen. Der Großvater, ursprünglich aus dem spanischen San Sebastián, liebte nicht nur gutes Essen. Nein, er brauchte es zum Überleben, wie Miguel uns mit einem Schmunzeln erzählt.

Foto: Mexico Strasse Taqueria

San Sebastián ist die Stadt, in der die großen Köche Spaniens regelmäßig auf den Markt kommen, um Frisches und Besonderes für die neuesten Kreationen ihrer Restaurants einzukaufen. Hier wird nicht einfach gegessen, hier ist Essen Religion. So gingen auch Miguel und seine Mutter jeden Sonntagmorgen gemeinsam auf den Markt, unterhielten sich mit den Händlern und kosteten das Gemüse und die frischen Kräuter, die sie für die Speisen seiner Mutter benötigten. Schon damals erfreuten sich die Gerichte über die Anerkennung weit über die Grenzen der Familie hinaus. Kein Wunder. Eine Explosion an Gerüchen, Farben, fröhlicher Musik und mexikanischer Seele. Zum Essen kamen nicht selten bis zu 25 Leute zusammen, man aß, trank und lachte bis spät in die Nacht, Geschichten wurden erzählt und es wurde mit Spannung das Urteil des Großvaters erwartet. Natürlich war er mehr als zufrieden, wie Miguel ehrfürchtig erzählt. Prägende Jahre für den jungen Mann und sein ganz persönlicher Grund, ebenfalls Koch zu werden.

Mexiko ist groß und hat unterschiedliche Klimazonen, die eine Vielzahl an Zutaten bieten. Die mexikanische Küche, seit 2010 als immaterielles Weltkulturerbe von der Unesco anerkannt, ist die Küche der Azteken und der Mayas, gemischt mit vielen weiteren Kulturen. Bevor die Europäer Schweinen und Kühen einführten, basierten die Gerichte vorrangig auf Hühnerfleisch und Insekten. Heute finden sich zusätzlich Einflüsse von Maghreb- und afrikanischen Nationen wieder, die durch die von den Europäern mitgebrachten Sklaven Eingang in die mexikanische Küche fanden.

Diese vielseitige Mischung und der Reichtum der eigenen kulinarischen Kultur veranlassten Miguel, zu reisen und seine Kochkunst mit weiteren internationalen Einflüssen zu bereichern. Er lebte und arbeitete in der Türkei, in Spanien und Irland – bis ihn die Liebe nach Hamburg führte. Hier eröffnete er erst kürzlich sein zweites Restaurant. Die Gerichte lesen sich wie eine essbare Adaption der Werke Frida Kahlo‘s.

Foto von Mexico Strasse Taqueria

Es finden sich Kombinationen aus getreide-basierter Chorizo, Austernpilzen, Chile-Ancho Crumble, Zwiebeln und Koriander. Veganer werden hier genauso fündig wie Flexitarier.

In Miguels Restaurants ist Lebensfreude die Grundlage von Allem. Alles hier ist Mexiko: Das Interieur, die Fliesen, die farbenfroh besprühte Wand, die Teller und die Tischkultur. Man ist angehalten, mit den Fingern zu essen und die Gerichte zu teilen; die Musik ist lauter als üblich, am Nebentisch hört man Spanisch, es riecht nach Sommer und der Koch versprüht noch immer die fröhliche Leichtigkeit des kleinen mexikanischen Jungen, der seiner Mutter half, mit Essen Freude zu schaffen.

Es gibt Tage, da stehen die Menschen Schlange vor seinen Restaurants. Die Auswahl und Qualität der Gerichte stehen der Gastfreundschaft in nichts nach. Aus der Not des Corona-Lockdowns hat Miguel eine Tugend gemacht. Deshalb gibt es Ausgewähltes mittlerweile auch zum Mitnehmen und Selbermachen. Mexikanisches Lebensgefühl und ein Lächeln inklusive.

Insbesondere die mehlfreien Maistortillas und die unfassbar gute Guacamole hätten ein eigenes Restaurant unter ihrem Namen verdient. Abgerundet mit einer Margarita in einer lauen Sommernacht kann die Reise zurück in das Land von Miguels Familie beginnen.

Probably the best Mexican in Hamburg
Foto: Mexico Strasse Taqueria

Manchmal vermisst er seine Heimat und so hat er für sich, seine Kindern und ganz Hamburg eine kleine Insel geschaffen, in der man Mexiko erleben kann – ohne Langstreckenflug und CO2-Footprint auf der kulinarischen Landkarte. Eine kleine mexikanische Enklave bestehend aus Ehrlichkeit und Lebensfreude, mitten in Hamburg.

Foto: Mexico Strasse Taqueria

Und wer es nicht bis nach Hamburg schafft, kann in Miguels neuen Onlinekursen lernen, was seine Mama ihm beigebracht hat. Foodbox Delivery inklusive.

 

Gracias Miguel, viva la vida.

 

Das Restaurant ‘Mexico Strasse Taqueria’ by Miguel Zaldívar

Eppendorfer Weg 188, 20253 Hamburg.

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Text: Esther Seibt
Foto: Mexico Strasse Taqueria

 

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