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Die Fette Kuh: Burger mit Anspruch und Verantwortung

Die Fette Kuh: Burger mit Anspruch und Verantwortung

Als ich gefragt werde, ob ich die Macher der Fetten Kuh in Köln interviewen möchte, zögere ich keine Sekunde. Ein Burgerladen mit gerade einmal 50 qm Ladenfläche, der mir, die ich seit gefühlten zehn Jahren nicht mehr in Köln war, aufgrund seines Qualitätsanspruchs und spannender Kreationen bereits ein Name ist. Das weckt mein Interesse und ich frage mich: Wie schafft man es, mit einem simplen Produkt wie einem Burger landesweit so bekannt zu werden?

Walter Schnerring & Martin Block von Die Fette Kuh

Schnell ist ein Termin gefunden und noch schneller wird mir klar, was der Schlüssel dieses Erfolges ist. Kaum hat das Videogespräch zwischen Walter, der gemeinsam mit seiner Frau Inhaber der Fetten Kuh ist, und Martin, seinem Chefkoch, begonnen, bin ich auch schon begeistert. Auf der anderen Seite des Bildschirms sitzen zwei Männer, die gegen allerlei Widrigkeiten des Lebens eine Vision verfolgen. Männer mit Anspruch und klaren Vorstellungen, vor allem aber mit Herz und Seele, Verstand und einer guten Prise Intuition. Sie sind bodenständig und nahbar, ihre Sprache ist herzlich und ehrlich und ihre Erläuterungen so nachvollziehbar und direkt, wie man es heute selten findet. Vielleicht ist es auch einfach die Kölsche Art, die mich sofort für die zwei Männer und ihre Geschichte einnimmt. Doch schon bald merke ich, dass es mehr ist als das, und die beiden mit ihrer Idee nicht nur ein Restaurant, sondern ein zukunftsträchtiges Geschäftskonzept geschaffen haben, welches mit seinem Anspruch auf Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und lokalen Lieferketten den Weg für viele Weitere bereitet.

Die Fette Kuh
Foto: Tom Hafner

Als Walter vor neun Jahren die Fette Kuh gründete, war für ihn klar, wenn er ein Restaurant macht, dann nur auf Grundlage bester Zutaten und frischer Grundnahrungsmittel. Die Convenience Food-Bewegung hatte gerade ihre Halbwertszeit erreicht und die Menschen fingen an, sich verstärkt mit alternativen Möglichkeiten und gesunde Ernährungsweisen auseinanderzusetzen. Wie es oft so ist, finden sich neue Ansätze in althergebrachten Werten. So auch bei Walter. Der gelernte Koch wollte ein Produkt anbieten, welches beliebt ist, schnell geht, mit lokalen und saisonalen Produkten hergestellt werden kann und gesellschaftsübergreifend Anklang findet. Jeder sollte bei ihm essen kommen können und jeder sollte sich wohl fühlen und gesunde Produkte vorfinden. Auch wenn die Gäste oft nicht viel Zeit mitbringen, so sollten sie sich doch, dank seiner Burger und Fritten, für diesen Moment mit gutem Gewissen dem vollen Genuss hingeben können. 

In kürzester Zeit machen er und sein Team lokale Bauern ausfindig, mit denen sie bis heute erfolgreich zusammenarbeiten. Von Anbeginn kommt das Fleisch ausschließlich von Kühen, die besser gehalten werden als jedes Bio-Siegel es verlangt. Die Kartoffeln kommen ebenfalls aus der Umgebung, wie auch der Salat und das Brot. Schon bald werden sie angesprochen von weiteren Bauern und Produzenten aus der Region, die von ihnen und ihrer Art zu kochen und zu arbeiten hörten. Man geht Kooperationen ein. Walter nimmt ab, was saisonal gut passt und stellt Verbindungen zu anderen Küchen der Stadt her, sodass die Bauern der Umgebung nicht nur Die Fette Kuh, sondern auch andere Abnehmer beliefern können. Man hilft sich gegenseitig. Die Kunden spüren das und unterstützen ihrerseits, wo sie nur können.

Die Fette Kuh
Foto: Tom Hafner

Nach einer herausfordernden Anfangszeit, in der das anfänglich noch kleine Team alle Aufgaben mit Hingabe und beinahe Selbstaufgabe meistert, muss bald Unterstützung her und die findet Walter in seinem Chefkoch Martin Block. Martin, der zuvor in einer veganen Manufaktur gearbeitet hat, überzeugt Walter sofort von seinem kreativen Können. Beide verstehen sich auf Anhieb. Aus einer beruflichen Zusammenarbeit wird eine Freundschaft. Mittlerweile arbeiten beide Ehefrauen mit und werden innerhalb des Gesprächs immer wieder als unabdingbar gepriesen. Das gesamte Team umfasst ganze 40 MitarbeiterInnen. Bis zum Covid-19-Ausbruch und den damit eingehenden Beschränkungen wird für große Events gekocht und das kleine Unternehmen wächst stetig. Die selbst hergestellten Saucen werden erfolgreich online zum Kauf angeboten und immer neue Ideen geben einen Einblick in eine spannende Zukunft.

Als der Lockdown die Gastwirte des Landes vor eine große Herausforderung stellt, sind auch Martin und Walter zunächst sprachlos. Doch dann haben sie eine zündende Idee. Sie bauen innerhalb eines Tages einen eigenen Lieferservice auf. Alle Mitarbeiter werden eingespannt, kochen, konzipieren, liefern aus. Eine eigene Flotte an Autos wird organisiert, niemand muss in Kurzarbeit und dank der Idee zu neuen Lieferboxen und Burger-zum-Selbermachen-Sets gehen die Umsätze wieder in die Höhe. Nicht alles schmeckt geliefert so gut wie es frisch schmecken würde, also macht sich das Küchenteam Gedanken: Es wird eingeweckt, vakuumiert und geräuchert, was das Zeug hält. Die Kunden nehmen das neue Konzept dankbar an. Wieder ziehen alle an einem Strang und kaum hat die Krise begonnen, macht das umtriebige Team aus der Not eine Tugend.

Die Fette Kuh
Foto: Paul Gärtner

Entscheidungen, die man bisher immer wieder vor sich hergeschoben hat, werden geradeheraus getroffen und umgesetzt: „Wann, wenn nicht jetzt“, sagt Walter kurzentschlossen. Im Hinblick darauf, dass niemand weiß, wie lange diese besondere Situation andauern wird, beginnen Walter, Martin und ihr Team damit, sich an den Einzel- und Großhandel zu wenden. Soßen, Pfeffermischungen, Flammkuchenchips mit Sauercreme und eigenes Craft Bier werden entwickelt und sind mittlerweile in mehr als zehn Läden in Köln und Umgebung erhältlich. Online kann man ihre Produkte schon lange kaufen. „Bald wird die Fette Kuh aber auch Supermarktregale und Feinkostläden deutschlandweit füllen“, so die Vision der beiden Kölner.

Ob sie sich mit Kritik im Sinne alternativer Ernährungsformen auseinandersetzen müssen, möchte ich wissen. Aber auch daran haben sie gedacht. Getreu ihrem Motto, möglichst nur Produkte zu verarbeiten, die nicht industriell hergestellt werden, kreieren sie ihre eigenen, jeden Tag frisch hergestellten, veganen Patties aus Kichererbsen und Leinsamen. Zusätzlich gibt es wechselnde vegetarische Optionen und all jene, die auf Fleisch nicht verzichten wollen, seien vergewissert, dass das Team sich regelmäßig selbst von dem überzeugt, was sie mit ihren Gerichten propagieren: „Fleisch essen die Leute noch immer. Dann stellen wir doch lieber sicher, dass sie qualitativ hochwertiges Fleisch aus artgerechter Haltung bekommen.“

Die Fette Kuh
Foto: Tom Hafner

Bei den saisonalen Produkten tauscht man sich mit den Landwirten aus. Dabei geht es nicht nur darum, was gerade Saison hat, sondern auch, was besonders gut gewachsen und ertragreich ist. „Manchmal ist es ein wahrer Balanceakt, wenn es um die Preisgestaltung und gleichbleibende Qualität geht“, aber Kompromisse machen die gelernten Köche nicht. „Wenn etwas nicht machbar ist, dann überlegen wir uns eben etwas anderes“, so Martin.

Zweifelsohne liegt der Erfolg dieses kleinen Restaurants in seinen einzigartigen Burgern, die nicht nur gut schmecken, sondern auch so auch aussehen. Einen bleibenden Eindruck hinterlassen auch der unternehmerische Mut, die Wertschätzung lokaler Produkte, der Qualitätsanspruch und die stetige Weiterentwicklung kulinarischer Möglichkeiten. Was aber vor allem anderen begeistert, sind die Menschen hinter dem Namen und der Vision, hinter den Produkten, dem Vertrieb und hinter dem Grill. Sie verleihen dem Namen Fette Kuh wahre Wertigkeit. Ihre intuitive, bodenständige Art, der Zusammenhalt all jener, die für Die Fette Kuh arbeiten und das generelle Miteinander bleibt auch den Kunden nicht verborgen. Man spürt sofort, dass es sich hier nicht um irgendeines der vielen Fast-Food-Restaurants handelt, sondern um ein familiäres Unternehmen mit Weitblick, Verstand und Herzblut. 

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Text: Esther Seibt

Fotos: Paul Gärtner, Tom Hafner

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