Die jungen Wilden vom Weingut Rings

Die Geschichte des Weingutes Rings in Freinsheim ist tief verwoben mit der Überzeugung, dass nur ein gesunder Boden gute Weine, deren Herkunft klar erkennbar ist, hervorbringen kann. 35 Hektar Weinberge werden hier noch von Hand bewirtschaftet. Die Erzeugnisse finden ganz organisch ihren Weg in die Flasche und werden mit Rücksicht auf das Ökosystem hergestellt. Die Brüder Andreas und Steffen sind, wie auch ihr Team, engagierte Handwerker, die gerne mit verschiedenen Verfahren experimentieren, aus ihren Fehlern lernen und mit jedem Jahr und jedem Jahrgang stärker werden.

Wir hatten Gelegenheit, mit Andreas über die biologische Weinherstellung, ihr neues Kellereigebäude und die spontane Gärung zu sprechen.

Steffen Rings – Andreas Rings

Ihr habt den Betrieb im Jahr 2001 von eurer Familie übernommen. Wie habt ihr es geschafft, die Weinqualität zu steigern und solch hervorragende Weine zu produzieren?

Durch sorgfältige Arbeit, vor allem bei der Handarbeit in den Weinbergen selbst. Dank des richtigen Instinkts, auf natürliche Weine zu setzen und der Fähigkeit, den Weinen Zeit zu geben. Solche Werte sind viel mehr auf dem Rückzug, als man denken würde. Wir versuchen, den Wein so herzustellen, wie er früher einmal hergestellt wurde. Das bedeutet, so wenig Maschineneinsatz wie möglich und viele Stunden Arbeit zwischen den Reben. So, dass der Weinberg gut angelegt ist, die Trauben genügend Luftzirkulation haben und die Traubenmenge nicht zu hoch wird. Wir bewirtschaften die Weinberge biologisch, was die Basis für guten Wein ist.

Das bedeutet, wir verzichten auf Herbizide und arbeiten stattdessen mit natürlichen Lösungen, wie der Verwendung von Molke- oder Brennnesselextrakt. Damit die Pflanze von innen heraus stark wird, genau wie beim Menschen. Wenn der menschliche Körper gesund ist, hat er ein starkes Immunsystem, das ihn gegen Krankheiten resistent macht. Genauso ist es bei Pflanzen auch. Man lernt, sich wieder auf die Vegetation zu verlassen, die natürlichen Stickstoff erzeugt und Nützlinge wie Bienen zu fördern anstatt auf Mineraldüngung zu setzen. Alles ist ein großer Kreislauf.

Das neue Weingut wurde 2018 fertiggestellt und verfügt über sehr nachhaltige Elemente. Warum war die Umstellung auf ökologische Produktionsbedingungen für euch wichtig?

Es entspricht einfach unseren persönlichen Überzeugungen und unserem Lebensstil. Wir erzeugen jetzt teilweise unseren eigenen Strom und etwa zwei Drittel der Kellerei sind in den Boden gebaut, um von seiner natürlichen Isolation zu profitieren. Damit brauchen wir keine künstliche Kühlung mehr. Ich denke, wenn man als junger Mensch etwas baut, dann muss man schon an die Zukunft denken. Deshalb haben wir anstelle von Stahl viel mit Holz gearbeitet, einem nachwachsenden Rohstoff. 

Auf welche Weise manifestiert sich dieser umweltfreundliche Prozess im Geschmack der Weine selbst?

Die Weine sind sehr eigenwillig, sie haben eine klare Handschrift, die zu ihrer Herkunft und ihrem Winzer gehört. Sie haben Ecken und Kanten und sind nicht fruchtig, sondern eher würzig. Kurz gesagt, sie sind einzigartig und haben ihren eigenen Charakter. Das ist etwas, was für uns sehr wichtig ist.

Ich habe gelesen, dass ihr den Prozess der Spontangärung nutzt. Was ist das genau?

Das bedeutet, dass der Traubensaft ohne Zusatz von Hefe von selbst zu gären beginnt. Ich könnte die Gärung durch Hefe einleiten, das hätte jedoch zur Folge, dass die Weine stets einem bestimmten Einfluss unterliegen würden und das ist nicht das, was wir wollen. Wir wollen, dass der Saft mit seiner eigenen Hefe, die er bereits als Rebe am Stock innehat, gärt. Das passt zu den Themen Eigenständigkeit, Ursprünglichkeit und Herkunft, die für uns alle sehr wichtig sind. Es ist ein Prozess, der länger dauert und Risiken birgt, aber es ist auch ein Mittel zum Zweck und ein Risiko, welches wir bereit sind, einzugehen.

Ihr seid bekannt für euren Cuvée „Das kleine Kreuz” und den Riesling Kalkmergel. Welches sind deine persönlichen Favoriten?

Ich bin ein großer Fan von Burgunderweinen, sowohl von weißen als auch von roten. Aber auch von Chardonnay. Wir haben einen Wein namens Kalk und Stein. Dieser ist gemacht aus Chardonnaytrauben aus den Gebieten Kalkstadt und Umstein. Zwei unterschiedliche Böden mit verschiedenen Eigenschaften. Ein Kalkstein- und ein Terra-Rossa-Boden. Es ist ein sehr lebendiger Wein, der in die Richtung von Naturweinen geht, also ohne Filtration.

Wie verändert sich der Geschmack, wenn ein Wein ungefiltert ist?

Es ist genau wie bei naturtrübem oder klarem Apfelsaft, nur ein wenig runder. Man hat mehr vom Saft selbst, mehr von der Frucht, denn die Frucht gibt keinen klaren Saft ab. Er enthält auf natürliche Weise etwas vom Fruchtfleisch und allem, was dazugehört. Und so verhält es sich auch beim Wein. Ungefilterte Weine sind weicher, charaktervoller, meistens kräftiger – einfach interessanter im Geschmack. Ein Grund, weshalb mein Bruder und ich noch nie in unserem Leben einen Rotwein gefiltert haben. Um ehrlich zu sein, ich weiß gar nicht, wie das geht.

Das Experimentieren muss herrlich sein, nicht wahr?

Auf jeden Fall. Das ist das Tolle an diesem Beruf. Man kann seine eigenen Ideen umsetzen und wenn sie dann auch noch funktionieren ist es einfach großartig! Natürlich hat in den ersten Jahren vieles nicht funktioniert, aber aus Fehlern lernt man und man muss den gleichen Fehler ja nicht nochmal machen. Es gibt eben nur eine Chance pro Jahr. Wenn es dann nicht klappt, muss man ein Jahr warten, bis der ganze Prozess von vorne anfängt.

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Text: Feride Yalav-Heckeroth

Photos: Rings Weingut

 

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