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Ca’ del Bosco: Geburtsstätte des exzellenten Franciacorta Weins
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Ca’ del Bosco: Geburtsstätte des exzellenten Franciacorta Weins

Wein ist das Resultat aus dem Zusammenspiel der Natur und dem Talent des Menschen. Einer dieser Menschen ist Maurizio Zanella von Ca‘ del Bosco.


Maurizio Zanella ist Millionenerbe, Kunstsammler und Winzer. Er hätte leicht in die Fußstapfen seines Vaters treten können, der erfolgreich ein Transportunternehmen leitete. Maurizio entschied sich aber dazu, seiner Leidenschaft zu folgen, die bald einer ganzen Region zu neuer Blüte verhelfen sollte. Die Weinkellerei Ca‘ del Bosco (Haus im Wald), benannt nach dem Haus, welches seine Mutter in den 1960er Jahren in der Franciacorta erworben hatte, legte den Grundstein für eine wahre Renaissance im Weinanbau. Ausgehend von der ersten Weißweinernte aus einem kleinen Weingarten im Jahr 1972 wuchs das Weingut Ca‘ del Bosco zu einer der  wegweisendsten Kellereien in der Franciacorta heran und umfasst heute rund 200 Hektar Anbaufläche.

Maurizio Zanella blickt auf eine 45-jährige Erfolgsgeschichte als Chef des Weinguts Ca‘ del Bosco zurück. Das bis heute im Familienbesitz geführte Unternehmen hat, dank Maurizio's bahnbrechender Visionen und der von ihm in den französischen Weinkellern erworbenen Erfahrungen, eine neue Form der Handwerkskunst geschaffen. Der Ca‘ del Bosco Franciacorta ist ein erstaunlicher, weltweit anerkannter Wein. Er ist das Ergebnis hoher technologischer Leistungen und der besonderen Bodenbearbeitung einer Region, von der kaum einer gedacht hätte, dass sie zur Herstellung eines solchen Weins fähig sei.

Nur ein wahrhaft avantgardistischer Geist würde auf eine Gegend setzen, die ihr wahres Potential im Weinbau nicht gerade auf den ersten Blick offenbart. Ein erfolgreiches Wagnis, welches die Franciacorta als Weinanbaugebiet für hochqualitative Schaumweine in kürzester Zeit in das Bewusstsein von Kennern und Geniessern eingeführt hat. Obwohl die Weinbautradition der dafür benötigten Sorten hier noch sehr jung ist, ist die Region mittlerweile weltweit berühmt. 

Liest man sich durch die Geschichte des Weinguts Ca‘ del Bosco, fühlt man sich sofort inspiriert, durch das bronzene Sonnentor (modelliert von Arnaldo Pomodoro) zu schreiten, um die dahinter verborgenen Geheimnisse zu entdecken und die ausgezeichneten Weine zu verkosten.

Maurizio Zanella | Foto: Ca‘ del Bosco

Herr Zanella, Ihr Leben hat sich immer um den Weinberg gedreht. Was war der Auslöser für Ihre Leidenschaft, die dann zu Ihrer Arbeit wie auch zu einer wahren Philosophie der modernen und nachhaltigen Önologie, der Wissenschaft des Weinanbaus, wurde?

Vielleicht ist meine Geschichte eine eher Ungewöhnliche, die sowohl in der italienischen als auch der internationalen Welt des Weins einzigartig ist. Eine Geschichte, in der Glück wahrscheinlich eine ganz besondere Rolle gespielt hat. Ich schätze mich sehr glücklich, denn normalerweise braucht es mehrere Generationen, bis die notwendige Arbeit auch Anerkennung mit sich bringt. Nur wenige Unternehmen erzielen ein Ergebnis, einen kritischen Konsens, einen Markt und Markterfolg.

Zusätzlich zu meiner Mutter, die mit unbegrenzter Geduld meine Torheiten unterstützt hat (deshalb ist ihr der wichtigste Wein gewidmet), würde Ca‘ del Bosco nicht existieren. Und hätte ich zudem nicht das Glück gehabt, derart außergewöhnliche Menschen in meinem Leben zu treffen. 

Einer von ihnen ist Luigi Veronelli, ein anarchistischer gastronomisch-philosophischer Journalist, der in den 1970er Jahren das Schicksal des italienischen Essens und Weins veränderte und den gesamten Sektor dazu drängte, Qualität anstelle von Quantität den Vorzug zu geben. Er nahm mich unter seine Fittiche und formte meinen Geist in dem Sinne, höchste Ansprüche in Bezug auf Qualität zu haben. Tatsache ist: er ist ein echter Fundamentalist, der keine Kompromisse akzeptiert.

Foto: Konsortium zum Schutz des Franciacorta

Was also hat den Franciacorta, der eine relativ junge Weingeschichte hat, dazu gemacht, der König unter den in Italien fermentierten Weine zu werden? Wie viel Arbeit und Sorgfalt mussten investiert werden, um derart exzellente Weine zu kreieren, wie es bei Ihren Sorten der Fall ist, und was unterscheidet sie von vergleichbaren Produkten auf dem Markt?

Das Gebiet ist untrennbar mit der Welt der edlen Weine verbunden – edel im Sinne eines nicht gewöhnlichen Weines, der nicht den Regeln des Marketings folgt. Das Territorium ist der Hauptakteur, wer immer es verwandelt, ist ein bescheidener Unterstützer dessen, was die Natur bereits besitzt. Der Franciacorta ist ein Qualitätswein, der wie ein Barolo oder ein Burgunder ganz und gar mit seinem Territorium verbunden ist. Er ist der mit den strengsten Regeln der Welt fermentierte Wein. Wir haben beschlossen, dass der einzige Weg nach vorn darin besteht, mit Fakten zu beweisen, dass wir mit einer Strenge produzieren, die der übrigen Welt überlegen ist. Bemühungen, die nach 30 Jahren endlich fruchten. Wir sind ein kleines Gebiet. Wir produzieren, im Gegensatz zu 300 Millionen Flaschen eines Champagner-Riesen, nur 18 Millionen Flaschen pro Jahr, aber wir sind anders, weil wir einen anderen Charakter haben.

Sie müssen wissen, dass in der letzten Phase der Franciacorta-Produktion – und von allen in der Flasche vergorenen Weinen – die Sedimente entfernt und Zucker hinzugefügt werden müssen. Bei Champagner liegt der Zucker zwischen 7 und 12 Gramm pro Liter, in der Franciacorta liegt der Durchschnitt bei 5 Gramm pro Liter. In Ca‘ del Bosco liegt er bei 2 Gramm pro Liter. Die geringere Höhe unseres Territoriums verursacht einen geringeren Säuregehalt, was es uns erlaubt weniger Zucker hinzuzufügen. Von den acht erzeugten Weinen des Ca‘ del Bosco Franciacorta haben drei sogar gar keinen Zuckerzusatz. Man könnte sagen, dies zeigt, dass unsere Weine schön sind, ohne dass wir Lippenstift auftragen müssen!

Ca' del Bosco
Foto: Ca’ del Bosco

Ca’ del Bosco ist nicht nur Franciacorta, wie beispielsweise Prestige, Satèn, Brut, Dosage Zéro und Annamaria Clementi, sondern beinhaltet auch Weiß- und Rotweine. Können Sie uns etwas über den Rotwein erzählen, der Ihren Namen trägt?

Der Rosso Maurizio Zanella kam 1981 auf den Markt, dank der Zusammenarbeit mit dem historischem Önologen Solci, dem Besitzer der ersten Weinhandlung Italiens. Da in der Franciacorta der Rotwein seinen Ursprung hat, war es aufregend, etwas anderes zu erleben und seinen Geschmack im Ausland bekannt zu machen. Die Weinherstellung ist wirklich eine geschickte Form des Handwerks, eine beinahe „romantische Arbeit“. Die Kunst besteht darin, mit Geduld und Erfahrung die klimatischen Schwankungen und vermehrten Wetterextreme abzufedern und dem Boden einen guten Wein entlocken zu können. Wir haben immer große Meister an unserer Seite gehabt, die uns ihr Wissen weitergegeben haben. André Tchelistcheff zum Beispiel, ein legendärer Winzer aus dem Napa Valley, der uns durch seine Freundschaft half, den ersten Chardonnay und den ersten Pinot Noir herzustellen. Monsieur Dubois, der historische Chef de Cave, der sich um die Franciacortas kümmerte, die mit dem jungen Amerikaner Brian Larky vergoren wurden. Diese beiden Männer, ein 65-jähriger französischer Meister und ein 32-jährige Pionier der technologischen Önologie, kämpften einen wahren „Krieg der Geister“, der große Qualität hervorzubringen vermochte. 

Hinter all diesen Weinen stehen Technik und Erfahrung. Deshalb spreche ich mehr von den Menschen als von den Weinen selbst. Die Schwierigkeit bei dieser Arbeit besteht darin, dass wir Bauern sind, sicherlich fortschrittlich, aber immer noch Bauern. Wir sind keine Industrie, unser Produkt ist der Natur, die unser Hauptaktionär ist, untergeordnet. Kein Budget, keine Pläne, keine Prognosen – die Einzige, die entscheidet, ist die Natur. In einem Jahr verliert man 63 % der Ernte, dann wieder macht man plus 12 % des Durchschnitts von dreißig Jahren. Im folgenden Jahr wird man belohnt, aber man kann vorab nie wissen was kommt.

Ca' del Bosco
Foto: Ca’ del Bosco

Das Arnaldo-Pomodoro-Tor führt uns in die Kunst der Weinherstellung, aber auch in andere Kunstformen ein. Woher kommt diese Leidenschaft für zeitgenössische Kunst und warum im Weinberg und seinen Räumen? Wie werden die im Weinberg aufbewahrten Werke ausgewählt?

Ich habe die Bildhauerei und moderne Kunst schon immer geliebt. Insbesondere Skulpturen, die dreidimensional sind, genau wie die drei Empfindungen des Weins: Sehen / Geruch / Geschmack. Ein Gemälde war demnach nicht genug, denn ich wollte mehr Dimensionen darstellen. Und um deutlich zu machen, dass sich der Wein weiterentwickelt hat, wollte ich eine Allianz mit der kultivierteren Welt der Kunst eingehen.

Nichts, was Sie in Ca‘ del Bosco sehen, wurde in Galerien gekauft. Jedes Stück ist ein Interview, ein Streit, eine Provokation, fast eine regelrechte Umwerbung, die ich seit Jahren mit jedem Künstler durchmache, um ihn zu einer bestimmten Sache zu bewegen. Pomodoro, dem ich vorschlug, eine seiner Skulpturen in zwei Teile zu schneiden, damit sie sich öffnet, um ein Tor zu machen, sagte: „Ich mache keine Tore.“ Ich brauchte Jahre, um ihn zu überzeugen. Mitoraj, erschöpft von meiner Beharrlichkeit, hat sich nach drei Jahren bereit erklärt, eine wunderbare Skulptur zu machen.

Was das Fotobuch 11 Fotografi, 1 vino, (herausgegeben von Skira und ausgestellt in Mailand, Tokio und Paris) betrifft, so sagte ich dem Fotografen: „Ihr könnt tun, was ihr wollt, außer die Etiketten und den Schriftzug zu fotografieren.“ Ich wollte, dass es Kunst ist und keine Werbung! Ca‘ del Bosco ist kein Museum, aber es gibt Stücke, die den Besuch bereichern.

Giuseppe La Spada – Voluptas

Auf der Grundlage Ihrer Erfahrungen und Kenntnisse in diesem Bereich, worauf sollte sich der Weinsektor konzentrieren, um in einem komplexen Moment wie dem gegenwärtigen wettbewerbsfähig zu bleiben?

Wir müssen uns auf das Gebiet konzentrieren, das zum Glück für uns eine Größenbeschränkung hat, welche uns erlaubt, immer ein Nischenprodukt zu bleiben. Selbst wenn man die Trauben für den Franciacorta in den dafür geeigneten, noch ungenutzten Gebieten anpflanzt, kann der Ertrag in den nächsten 10-15 Jahren von derzeit 18 Millionen Flaschen auf höchstens 25-30 Millionen Flaschen ansteigen. Während jeder die Größe als Grenze empfindet, sehe ich sie als Chance. Es ist ein Vorteil. Diese Grenze ermöglicht es uns, das Produkt besser zu pflegen und eine hohe Qualität zu erzielen, indem wir es entsprechend positionieren, es aufwerten und es verkaufen, ohne daraus einen gewöhnlichen Wein werden zu lassen, der überall erhältlich ist. Der Franciacorta wird immer ein Juwel bleiben.

Im September diesen Jahres, einem sehr schwierigen Jahr, haben Sie die Cuvée Prestige Edition 42 vorgestellt. Der Weinberg bringt weiterhin einen ausgezeichneten Franciacorta hervor.

Wir sind ein starkes Team, aber wir erschaffen keine neuen Produkte durch Marketingideen. Wir versuchen unser Produkt zu verbessern. Im Jahr 2022 feiern wir 50 Jahre Weinherstellung. Die erste Flasche mit dem Ca‘ del Bosco-Etikett ging 1972 um die Welt. Wenn unser Wein gut ist, hat er die Fähigkeit, sich während seiner Reifung zu verbessern. Ein edler Wein altert nicht; er reift. Und ich versuche einem solchen Wein nachzueifern, wie gewagt das auch sein mag. Ich versuche zu reifen und nicht zu altern.

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Interview: Raffaele Castelli, Cristina Agnelli

Worte: Cristina Agnelli

Fotos: Ca‘ del Bosco

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