Løvtag: Design im Einklang mit der Natur

Sigurd Larsen
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Inmitten eines Waldes aufzuwachen, mit ungehindertem Ausblick auf sich wiegende Bäume und das Licht- und Schattenspiel des Blätterdachs in der Sonne, ist ein einzigartiges Erlebnis. Genau das versprechen die Løvtag Cabins, in einem kleinen Wald bei Als Odde in Nordjütland – neben einem vollständig nachhaltigen Ansatz, der sowohl der Umgebung als auch der regionalen Gemeinschaft vollen Respekt zollt.  

Die vom Architekten Sigurd Larsen entworfenen Hütten bestehen aus zertifiziertem Thermoholz, der Unterbau wird mit Schrauben der Firma Fremtidens Fundament befestigt, die zu 75% aus recyceltem Material bestehen. Nicht nur die ländliche Landschaft wurde unberührt gelassen, auch die Bäume, um die herum die Hütten gebaut wurden, haben keine tragende Funktion und wachsen weiter – innerhalb und außerhalb der Konstruktion. Das Projekt wurde mit einem ortsansässigen Bauunternehmer und lokalen Handwerkern verwirklicht und arbeitet auch bei der Reinigung und Instandhaltung weiter mit der ansässigen Gemeinschaft zusammen. 

Wir hatten die Gelegenheit, mit Sigurd Larsen zu sprechen und mehr darüber zu erfahren, wie seine Idee Gestalt annahm und was für eine Erfahrung die Gäste in diesem modernen naturbewussten Schlupfwinkel erwartet. 

Sigurd Larsen
Sigurd Larsen

 Wie hast du die Idee zu den Hütten entwickelt? 

Es war ein Dialog zwischen den drei Beteiligten: dem Grundstückseigentümer, einer Touristikberaterin und mir, dem Architekten. Der Grundstückseigentümer ist auf dem Bauernhof aufgewachsen, zu dem der Wald gehört, und er und sein Bruder haben ein Baumhaus, das sie als Kinder gebaut haben, also haben sie immer von so etwas geträumt. Die Touristikberaterin brachte ihr Wissen zu Besuchern und Unterkünften ein. Diese Gespräche – in Bezug auf Bewirtung, Gäste, Kenntnis des Waldes und der Architektur – entwickelten sich immer weiter, sodass die Idee zusehends Gestalt annahm.

Wenn man also in eine Richtung sieht, erblickt man einen Landschaftstyp und in der anderen Richtung entdeckt man einen anderen

Uns war schnell klar, dass wir auf jeden Fall einen Baum durch die Hütte wachsen lassen wollten; die Idee war, die Hütte um den Baum herum zu bauen, damit man spürt, wie er sich bewegt. Wir wollten auch eine Dachterrasse und gerahmte Aussichten und so kamen wir auf einen quadratisch-kompakten Grundriss mit dem Baum im Zentrum. Dabei ragen die Funktionsbereiche heraus wie Erker. Man kommt über die Brücke und steigt immer weiter hoch bis zum Dach, wo man eine 360-Grad-Aussicht hat. Um die Umgebung nicht zu beeinträchtigen, wurde kein großes Zementfundament gegossen. Stattdessen wird jede Hütte von vier Säulen getragen, die alle tief in den Boden gebohrt sind.

Løvtag

Wie sehr hat die natürliche Umgebung die tatsächliche Architektur inspiriert?

Der Wald selbst ist recht außergewöhnlich, weil er zur Hälfte aus Kiefern und zur anderen Hälfte aus Laubbäumen besteht. Die Hütten befinden sich genau an der Grenze zwischen beiden; wenn man also in eine Richtung sieht, erblickt man einen Landschaftstyp und in der anderen Richtung entdeckt man einen anderen. Deswegen ist es durch die Fenster, die die Aussicht rahmen, fast so, als würde man sich einen Baumkatalog ansehen.

LESE-EMPFEHLUNGEN: 

Wir begannen zu überlegen, welche Aussichten wir mit den Fenstern rahmen könnten. Der Kiefernwald ist recht dunkel und dicht, die andere Seite ist offener, also ist das Bett in Richtung Westen und Sonnenuntergang ausgerichtet, aber man sieht auch eine Lichtung, damit man etwas mehr Fernblick hat. 

Ich glaube, mein innerer Hippie wollte den Leuten eine Art körperliche Erfahrung geben

Die Bewegung des Baums ist auch ein großer Teil des Gesamteindrucks. Vor ein paar Wochen war ich dort zum ersten Mal und wenn man im Bett liegt und die schöne Aussicht Richtung Westen genießt, wo das größte Fenster ist, ist die Tatsache, dass der Baum sich die ganze Zeit ein klein wenig bewegt, wirklich eine neue Erfahrung. Normalerweise fällt einem das gar nicht auf, weil alle Bäume simultan in Bewegung sind, aber wenn man in einem festen Haus sitzt, das sich nicht bewegt, dann nimmt man den schwingenden Baumstamm wirklich wahr.  

Løvtag

 Warum hast du beschlossen, Holz für die Konstruktion zu verwenden?

Wir haben alles mit Holz verkleidet, also mussten wir nichts mit Chemikalien zu behandeln. Und wir haben eine Fassade, die mit der Zeit eine ebensolche Patina entwickeln wird wie der Rest des Waldes. Im Moment sieht sie noch recht gelb und holzig aus, aber das wird sich ändern, weil Holz einfach etwas ist, das dort stehen und gut altern kann.

Holz kann sich auch an Veränderungen in Temperatur und Luftfeuchtigkeit anpassen, daher ist es ein gutes Baumaterial in dem hier vorherrschenden Klima, denn es kann sehr trocken werden, aber es kommt auch mal salziger Wind durch, da das Meer nur 300 Meter entfernt ist.

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Was für eine Erfahrung hast du dir für die Gäste vorgestellt, als du die Hütte geplant hast?

Ich glaube, mein innerer Hippie wollte den Leuten eine Art körperliche Erfahrung geben, indem sie den Baum berühren und sich vom Wald ernähren. Daneben war mir die Freiluftdusche sehr wichtig, damit man selbst im Regen draußen warm duschen kann. Ich glaube, dass die Dänen ihre eigene Landschaft auf eine neue Weise entdeckt haben. Wir haben ein Buch und ein paar Informationen über die verschiedenen essbare Dinge, die hier im Wald wachsen, zusammengestellt. Selbstverständlich ist die Hütte mit einer Küche ausgestattet. Die Möglichkeit, aus der Natur zu schöpfen und die damit einhergehende Naturverbundenheit war etwas, das mir als Kind überhaupt nicht bewusst war, aber durch Projekte wie Noma inspiriert, beschlossen wir, auf dieses Thema einen weiteren Schwerpunkt zu legen und die Natur ganzheitlich spürbar zu machen.

Løvtag

Zudem gibt es einen Fjord in der Nähe, der ein beliebter Angelplatz ist. Dorthin kann man also gehen, um Fische zu fangen und sie anschließend in der Küche zubereiten. Man kann alles Mögliche am Rand des Waldes finden und eine sehr lokale Mahlzeit essen – ein komplett neues Erlebnis, vor allem für Besucher aus der Stadt. Als ich selbst da war, habe ich ein wenig Zeit damit verbracht, mich einzulesen, Pflanzen zu finden und zu versuchen, sie zu kochen oder Tee aus dem zu machen, was ich finden konnte. Die meisten Menschen leben nicht so, weil unsere Vororte und Großstädte nicht in Wäldern liegen. Es ist also eine besondere Erfahrung.

 

Text: Feride Yalav-Heckeroth
Foto: Herbert Hoffmann and Soeren Larson

 

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