Glanzvolle Zeiten für Dresdens Restaurants

Glamorous times for Dresden's restaurant scene

Sachsens Glanz und Preußens Gloria. Was einst die Gegensätzlichkeit und Besonderheiten zweier konkurrierender Königshäuser beschrieb, definiert bis heute die Hauptstadt der Sachsen. Edle Gewölbe, altertümliche Schätze, Erinnerungen an feierfreudige Könige und einen klugen Apothekergesellen, der statt gelbem das bis heute gefeierte weiße Gold, bekannt als Meissener Porzellan, zusammenbraute. Zugleich die hippe, moderne Neustadt mit ihrer gläsernen Manufaktur, die den Bau der Elektroautos für Zuschauer zelebriert. Industrie, Kunst und Wissenschaft reichen sich hier die Hand. Mitten hindurch fließt die von Raddampfern befahrene Elbe bis hinein in die südliche Weinstraße, welche in den letzten Jahrzehnten eine weltweit prämierte Aufwertung durch junge Winzer und moderne Weingüter verzeichnen konnte. Ein Spektrum, das Dresden seinen unverkennbaren Charakter verleiht.

Zu Ostzeiten wegen seiner medialen Abschottung kokettierend das „Tal der Ahnungslosen” genannt, ist Dresden heute alles, nur nicht ahnungslos. Ein wenig nobel, ein wenig wild, ein wenig klassisch. Hauptsache, etwas von alledem. Die Restaurantszene bietet von königlichem Sternegenuss bis Leipziger Allerlei eine vielfältige Bandbreite an kulinarischen Verführungen. Designverliebte werden hier genauso fündig wie Architekturbegeisterte. Jeder Gaumen ist willkommen. Überhaupt, im neugierigen Dresden sind alle willkommen.

Wenn eine Stadt so viel Historie, Veränderung und Versatilität innehat und dabei dennoch lässig bleibt, kann es nur spannend werden. Einen solch kulturellen Reichtum erlebt man am besten zu Tisch, finden wir, und begeben uns auf eine kulinarische Reise durch Dresden. Wir hoffen, ein kleines bisschen mehr Verständnis für die kurfürstliche Stadt am östlichen Rande Deutschlands zu erlangen; die Sachsen vielleicht doch noch zu „verstehen”; und nicht nur die allseits bekannte Frauenkirche, sondern die berühmte Gastfreundschaft zu erleben, die zeigt, warum Dresden noch immer Menschen verschiedenster Geschmäcker geistig, kulturell und freundschaftlich in seinen Bann zieht.

Dresden Restaurants
Foto: Lila Soße

Lila Soße

„Wer suchet, der findet.” Die kulinarische Oase, rechtsseitig der Elbe inmitten der jungen, äußeren Neustadt gelegen, versteckt sich in einem gemütlichen, kreativ künstlerisch gestalteten Hinterhof. Unter Ginkgo-Bäumen sitzt es sich entspannt auf einfachen Klappstühlen. Oben die geöffneten Fenster der Ballettschule, aus denen sanfte Töne erklingen. Auf einer Tafel saisonale Gerichte, die eine genussvolle Addition zu der kleinen, gut ausgewählten Karte bieten. Moderne deutsche Küche, liebevoll serviert im Weckglas, abgerundet mit heimischen Weinen. Ehrlicher und liebevoller geht kaum.

Dresdens Restaurantszene
Foto: Lila Soße

Sehr zu empfehlen: Der Kleine Schwarze, ein heimischer Wein mit Bestnote, dazu Sesam-Ziegenkäse Taler auf Gemüse-Spaghetti mit Risotto und Kräutersaitlingen. In warmen Sommernächten unbedingt draußen sitzen. Und noch wichtiger: Reservieren, denn die Dresdner wissen längst, wie gut es hier ist.

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Dresdens Restaurantszene
Foto: Schmidt’s

Schmidt’s

Das Schmidt’s ist ein unbedingtes Muss für Architektur- und Designfans. Empfohlen vom Guide MICHELIN ist es zudem langjähriger Unterstützer der Slow Food Bewegung und damit absoluter Vorreiter seiner Branche. „Eine elegante Designperle”, sagen die Auswärtigen, „Schmidt’s macht abhängig”, sagen die Dresdner und freuen sich über die neue Idee des gleichnamigen Restaurants: Ein Fünf-Gänge-Menü, welches die Lieblingsspeisen der Kundschaft in kleineren Portionen zusammenfasst. Connaisseure begrüßen den Grundethos des Schmidt’s. Bewusst, regional, nachhaltig.

Dresdens Restaurantszene
Foto: Schmidt’s

Beeindruckend ist auch das historische Gelände des Traditionsunternehmens Deutsche Werkstätten Hellerau, auf dem sich das Restaurant befindet. Sobald sich am Abend die großen bauhausroten Fensterläden für die Gäste öffnen, heißt es auf der täglich wechselnden Abendkarte: Jakobsmuschel, Artischocken-Ravioli und Crème brûlée vom Steinpilz. Genauso und nicht anders bitte.

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Dresdens Restaurantszene
Foto: Petit Frank

Petit Frank

„Was anderes (als kochen), kann ich auch nicht”, sagt Frank Olhoff von sich selbst, Besitzer des kleinen französischen Restaurants Petit Frank. Als Koch ausgebildet in Straßburg, bietet er im Petit Frank authentischen Genuss in romantischen Sandsteingewölben. Man duzt sich, wenn in lauen, fast südfranzösischen Sommernächten im mediterranen Garten der Chef persönlich den Crémant kredenzt. Die Karte ist leicht und erzählt von kulinarischem savoir vivre. Nur einige wenige sächsische Weine weisen darauf hin, dass man hier in Dresden und nicht der Champagne diniert.

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Foto: Petit Frank

Das Petit Frank rangiert unter den besten Restaurants Dresdens. Weiße Tischdecken, dunkle Bugholzstühle, eine Kerze, gegrillte Wassermelone mit karamellisiertem Ziegenkäse, Thymianreduktion und Wildkräutersalat aus dem eigenen Garten. „C’est beau, la vie.”

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Dresdens Restaurantszene
Foto: Elements

Elements

Hier sind Gast und Gastgeber absolut in ihrem Element. Auf dem Gelände der Zeitenströmung, nahe der Dresdner Heide, der Kirche St. Martin und dem barocken Zentrum Dresdens, beherbergt die hochwertig ausgebaute Mansarde eines ehemaligen Industriekomplexes das Restaurant Elements. Ein cleveres Konzept-Restaurant mit unterschiedlichen Bereichen.

Das Elements Deli begrüßt seine Besucher mit klarer Architektur, raumhohen Fenstertüren, lichten Innenräumen und einer luftigen Terrasse. Hie und da spenden feinblättrige Weinstöcke kühlenden Schatten und auf schwarzen Schieferplatten werden edel aufbereitete Speisen gereicht.

Dresdens Restaurantszene
Foto: Elements

Innen bildet nordisches Design aus Naturstoffen die Grundlage für sommerliche Gaumenfreuden aus asiatischen und europäischen Einflüssen. Auf den Tischen üppig fedrige Blumengestecke. Der zweite Restaurantbereich ist in Küche wie auch Interieur wärmer gehalten und der Name ist hier Programm: Fine Dine. Schwere Ledersessel, dunkles Holz und Wände aus offenem Backstein unterstreichen das grobe Industriedesign. Zigarrenlounge inklusive.

Dresdens Restaurantszene
Foto: Carousell

Caroussel

Hier würde heute wohl August der Starke sein preußisches Pendant Friedrich II. hinführen, um ihm Sachsens lukullische Exzellenz zu zeigen. Ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern kann das Caroussel mit den Großen der Branche leicht mithalten. Seine über die Landesgrenzen hinaus bekannte faux gras, eine vegetarische Variante der Gänsestopfleber, für die das Restaurant bundesweite Aufmerksamkeit erhielt, reiht sich ein in ein Gedicht erlesener Speisen, die ausschließlich auf Meissener Porzellan gereicht werden.

Dresdens Restaurantszene
Foto: Caroussel

Nachdem 2019 der Schweizer Star-Designer Carlo Rampazzi Hand angelegt hat, ist nun nicht mehr nur die klassisch-französische Küche ausgezeichnet, sondern das gesamte Ambiente. Mit über 500 Weinen wird auch der erlesenste Gaumen betört, wenn durch die gläserne Decke die Sterne ihr silbriges Licht auf die illustren Gäste werfen. Hier versteht man, warum Dresden so viel mehr ist als seine Historie. Sie lebt in Restaurants wie dem Caroussel und den Bewohnern dieser Stadt weiter, wenn jeden Tag aufs Neue, mit Eleganz und Vielfalt, moderne Kultur entsteht.

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Text: Esther Seibt

 

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