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Den Michelin-Stern Für Eine Kulinarische Weltreise Zurücklassen: Interview mit Julia Komp
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Den Michelin-Stern Für Eine Kulinarische Weltreise Zurücklassen: Interview mit Julia Komp

Schon am Anfang ihrer Karriere war Julia Komp zuversichtlich, dass sie als Köchin Erfolg haben würde, doch selbst sie hätte sich nicht ausmalen können, für welch Furore sie bereits in jungen Jahren in der Gastronomie sorgen würde. Nachdem Julia ihren ersten Michelin-Stern bereits im Alter von 27 Jahren erhalten hatte, hat sie ihren Blick jetzt fest auf die Zukunft gerichtet. Julias neues Restaurant, Sahila, ist von ihrer jüngsten Weltreise inspiriert. Die Reise, die sich über mehrere Kontinente und Länder erstreckte, hat die Speisekarte im Sahila stark beeinflusst.

Julia Komp: Die ehemals jüngste Sterneköchin Deutschlands

Wir hatten die Gelegenheit, uns mit Julia Komp zusammenzusetzen, um herauszufinden, wie viel von ihren Erlebnissen in ihre neuen Gerichte geflossen ist.

 

Du hast deine Karriere 2008 begonnen. Was hat dich dazu motiviert, Köchin zu werden?

Ich habe meine Karriere mit einem Praktikum in der Hotellerie gestartet. Dort habe ich einen Einblick in verschiedene Bereiche erhalten, aber was mich besonders interessierte, war die Küche. Es hat mich begeistert, wie man Menschen mit gutem Essen glücklich machen kann. Nach weiteren Praktika in Spitzenküchen und einem Feinkostgeschäft begann ich schließlich meine Lehre in einem Sterne-Restaurant.

 

Du hast viele Auszeichnungen bekommen – ganz zurecht! Üben diese fantastischen Leistungen und Errungenschaften in einem so jungen Alter einen Druck auf dich aus, dass du jedes Jahr aufs Neue etwas leisten musst?

Schon früh habe ich an großen Wettbewerben wie dem Salon Culinaire Mondial teilgenommen. Das war stressig, aber jedes Mal, wenn ich eine Auszeichnung bekommen habe, war die schwierige Vorbereitung vergessen. Schon kurze Zeit später habe ich wieder am nächsten Wettbewerb teilgenommen. Nach einer doppelten Goldmedaille im Salon Culinaire Mondial in Dubai, habe ich dann aber entschieden, dass es fürs Erste genug ist. Ich bekam meinen ersten Job als Chef de Cuisine. Da musste ich mich dann voll auf meine Arbeit dort konzentrieren. Die Belohnung dafür war 2016 mein erster Michelin-Stern. Das ging natürlich mit viel Druck einher. Aber 2019 habe ich mich dem widersetzt und meinen Michelin-Stern in Köln gelassen, um eine Weltreise zu unternehmen.

 

Du wurdest mit einem prestigeträchtigen Michelin-Stern ausgezeichnet, einer von nur wenigen, die seit der Konzeption des Michelin-Führers im Jahr 1900 an Frauen vergeben wurden! Warum glaubst du, sind Frauen bei diesen Auszeichnungen unterrepräsentiert, und hast du in den letzten Jahren Verbesserungen bemerkt?

Ich glaube, dass viele Frauen versuchen, eine Balance zwischen Karriere und Familienleben zu finden. Es braucht viel Zeit, um die Karriereleiter zu erklimmen und ein Restaurant zu eröffnen. Für viele sind das die Jahre, in denen sie darüber nachdenken, eine Familie zu gründen. Trotzdem kommen mittlerweile immer mehr Frauen in die Spitzenküche. Ich kenne ein paar weibliche Chefs de Cuisine mit zwei oder drei Michelin-Sternen und viele tolle Sous-Chefs.

Gericht aus Julia Komps neuem Restaurant Sahila | Foto: Melanie Bauer Photodesign

Auf welche Hindernisse bist du auf dem Weg zur Spitze der deutschen Gastronomieszene gestoßen?

Ehrlich gesagt hatte ich Glück und ich stand nicht vor allzu vielen Barrieren. Sonst hätte ich es nicht so schnell an die Spitze geschafft. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich habe in Küchen gearbeitet, in denen man unabhängig vom Geschlecht durch Leistung überzeugen konnte. Trotzdem war es nicht leicht. Während meine Freunde in ihren Zwanzigern Partys gefeiert haben, stand ich in der Küche, nahm an Wettbewerben teil und besuchte Gastronomiemessen.

 

Hast du einen Ratschlag für junge Frauen, die einen ähnlichen Weg einschlagen wollen wie du?

Man braucht Kraft und Ausdauer. Am wichtigsten ist es, Kritik nicht persönlich zu nehmen. Und ja, vielleicht verliert man einige Freunde auf dem Weg wegen der Arbeitszeiten und Schichten, aber dafür treten neue Freunde ins Leben.

 

Wie würdest du dein(e) Leitprinzip(e) definieren?

Ich brauche ein klares Ziel, um mich zu motivieren. Darüber hinaus glaube ich, dass man für die Menschen dankbar sein muss, die einen unterstützen. In der Küche schätze ich hochwertige Lebensmittel und versuche, wenn möglich, Bio-Alternativen einzubringen.

Julia Komp auf ihrer kulinarischen Weltreise

Kannst du uns ein wenig über deine Weltreise vor ein paar Jahren erzählen? Was hat dich dazu ermutigt, voll und ganz in die kulinarische Welt jedes besuchten Landes einzutauchen und wie haben diese Erfahrungen zu deinem Buch geführt?

Trotz des Michelin-Sterns hatte ich das Gefühl, noch einiges lernen zu müssen. Also habe ich meinen Koffer gepackt und bin auf Weltreise gegangen. Ich wollte den Geschmack authentischer Gerichte kennenlernen. Damit meine Freunde zu Hause wussten, was gerade so passiert, habe ich einen kleinen Blog geschrieben. Irgendwann haben mir alle geraten, ein Kochbuch auf Basis meiner Erlebnisse zu schreiben. Erst war ich von der Idee nicht überzeugt, aber später habe ich doch Lust bekommen, alles richtig aufzuschreiben und zu teilen. Am Ende habe ich nicht nur Rezepte, sondern auch kleine Geschichten und Fotos in mein Buch “Meine Weltreise in Rezepten” aufgenommen. Das Buch wurde also zum Tagebuch meiner Weltreise.

 

Du hast gerade dein neues Restaurant Sahila eröffnet. Kannst du uns mehr darüber verraten?

Auf meiner Weltreise habe ich viele inspirierende Menschen getroffen, neue Geschmäcker kennengelernt und tolle Rezepte mit nach Hause genommen. Im Sahila möchte ich nun die Gäste auf eine Weltreise mitnehmen. Ich möchte, dass sie die authentische lokale Küche kennenlernen, die ich für die Spitzenküche komplett neu interpretiere. Außerdem habe ich ein zweites Restaurant. Mit der Mezze Bar Yu*lia probiere ich etwas Neues aus: Mezze ist bisher vor allem aus orientalischen Ländern bekannt. Hier wird das Teilen großgeschrieben. Wir möchten unseren Gästen eine kleine Oase mit mediterranen und orientalischen Spezialitäten bieten. Mit den zwei Konzepten unter einem Dach habe ich mir einen langjährigen Traum erfüllt.

Das Interieur von Julia Komp's neuem Restaurant Sahila | Foto: Melanie Bauer Photodesign

Man merkt, wie viel Arbeit in jedem Gericht auf der Speisekarte steht. Welches Gefühl, welche Erinnerung oder welchen Geschmack sollen die Gäste nach einem Besuch deines Restaurants mit nach Hause nehmen?

Jedes Menü im Restaurant Sahila ist eine Weltreise. Ich möchte den Gästen eine Auszeit vom Alltag bieten und Erinnerungen an vergangene Urlaube hervorrufen. Das größte Kompliment ist, wenn die Gäste denken: „Oh, das erinnert mich an ein Gericht, das ich in meinem Urlaub in Thailand gegessen habe.“

 

Woher oder von wem nimmst du deine größte Inspiration?

Meine größte Inspiration ist das Reisen. Und das schon, seitdem ich klein bin. Meine schönsten Erinnerungen sind alle mit Essen verbunden, zum Beispiel in Belgien, wo wir auf den Markt gegangen sind, um eine Wurst zu essen, oder in Tunesien, wo meine Oma mir immer ein Eis geholt hat. Seitdem habe ich mehr als 40 Länder besucht.

Julia Komp Chef - Marrakesh
Marrakesch, Marokko

Deine Arbeit hat dich in Länder auf der ganzen Welt geführt. Was ist deine Lieblingsstadt? Welche 5 Orte würdest du dort deinem besten Freund oder deiner besten Freundin empfehlen, wenn er oder sie in der Stadt ist?

Wenn ich mich für eine Stadt entscheiden müsste, würde ich Marrakesch wählen. Das Leben dort ist modern, aber auch das Traditionelle ist in der Stadt noch sehr präsent. Nicht nur die neuen Stadtviertel sind lebendig, sondern auch die Altstadt ist ein Ort voller Erfahrungen und Inspirationen.

Meine Top 5:

  • Die Medina – die Altstadt mit ihren kleinen Gassen, in denen man sich verlaufen kann
  • Die Riads – dort erlebt man Stille und hört manchmal das entspannende Plätschern eines Wasserbrunnens
  • Le Tanjia Restaurant, in der Nähe des Gewürzmarktes – der Ausblick von der Terrasse ist einmalig. Ich empfehle, dort zum Sonnenuntergang einen Tisch zu reservieren
  • Die neueren Stadtviertel mit ihren Nachtclubs und Restaurants
  • Die Palmeraie, wo man auch einige große Hotels findet. Ich liebe es einfach, dort zu joggen. Eine echte Oase. 

 

Wenn dir das Interview gefallen hat, solltest du dir die kulinarischen Einblicke der Sterneköche Tim Raue und Dani García nicht entgehen lassen!

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